Haftpflicht für Hebammen vor dem Aus

Nachdem die Nürnberger Versicherung als letzte große Assekuranz in Deutschland angekündigt hat, ab Sommer 2015 keine Hebammen mehr in die Berufshaftpflicht aufzunehmen, könnte ein Berufszweig in seiner freiberuflichen Ausprägung vor dem Aus stehen. Lediglich einige sehr kleine Spezialversicherer dürften das gestiegene Haftpflichtrisiko für freiberufliche Hebammen noch auf Anfrage übernehmen, dann aber zu exorbitanten Policenkosten, die sich keine Hebamme leisten kann.

Politik der Versicherer.

Hebammen müssen nach gesetzlichen Vorschriften ebenso wie Ärzte haftpflichtversichert sein, bei den Angestellten dieser wichtigen Berufsgruppe ist das über das Krankenhaus gewährleistet, in welchem sie beschäftigt werden. Die Freiberuflerinnen, die an sich gut zu tun haben, wurden seit fast zehn Jahren mit immer höheren Beiträgen konfrontiert. Der Hintergrund ergibt sich aus den stark gestiegenen Haftpflichtfällen, die nicht etwa durch eine mangelhafte Tätigkeit der Geburtshelferinnen verursacht werden, sondern vielmehr durch die stark gestiegenen pränatalen Überlebenschancen von schwer kranken Säuglingen, die früher gestorben wären (ein vergleichsweise geringeres Haftpflichtrisiko) und heute zu langjährigen Pflegefällen mit wenigstens einer Teilhaftpflicht für die Hebamme werden - dem medizinischen Fortschritt sei Dank. Das wollten die Versicherer nicht länger mittragen.

Konsequenzen für Mütter und Hebammen.

Die Konsequenzen dürften dramatisch ausfallen, denn in vielen ländlichen Gegenden und selbst in einigen Großstädten kann auf die Hilfe durch freiberufliche Hebammen nicht verzichtet werden. Betroffen dürften diese selbst sein, wenn sie unter Umständen ihren Beruf aufgeben müssen, zweitens die Mütter, die sich viele Stunden vor der Geburt und manchmal umsonst in die Klinik begeben müssen, drittens aber auch die Krankenhäuser, die auf den Ansturm vielleicht ungenügend vorbereitet sind. Diese Konsequenzen sollte auch die Politik überdenken.